Eine Reise durch die Zeit

Die Bosse Schule gibt es seit mehr als 100 Jahren!

Zu Kaisers Zeiten

Um 1900 war es im Deutschen Reich „Mode“, Schulen nach preußischen Ministern zu benennen, um die Verbundenheit mit den damals hochgeschätzten preußischen Tugenden zu verdeutlichen, und so wurde die Schule bei ihrer Gründung 1912 nach dem ehemaligen Kultusminister von Preußen Dr. Robert Bosse (1832-1901) benannt.

 

Die Bosse Schule war für diese Zeit eine sehr moderne Lehranstalt und mit 18 Klassenräumen, einem Zeichensaal, einem Physikraum, einer Turnhalle, einem Direktorenzimmer, einem Lehrerzimmer, einer Bibliothek und Sanitäranlagen auf allen Etagen gut ausgestattet. 

 

In seiner Antrittsrede am 01.10.1912 verdeutlichte der erste Schulleiter Rektor Kottmann, dass die Bosse Schule neben dem Bildungs- auch einen Erziehungsauftrag habe, der jedoch nur in Zusammenarbeit mit dem Elternhaus gelingen könne. Diese Kooperation zwischen Schule und Elternhaus ist uns bis heute unverändert wichtig und wird im Bosse-Netzwerk umgesetzt.

Kriegs- und Zwischenkriegsjahre

Die beiden Weltkriege bedeuteten auch für die Bosse Schule einschneidende Veränderungen: In beiden Kriegen wurden Teile der Lehrerschaft zum Militär eingezogen und konnte wegen des Kohlemangels in den Wintermonaten nicht oder nur eingeschränkt unterrichtet werden. Die Schüler wurden zum Teil auf die umliegenden Schulen verteilt.

 

In den Zwischenkriegsjahren legte die Bosse Schule im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung Bielefelds, obwohl sie ursprünglich vorwiegend auf kaufmännische Berufe vorbereiten sollte, besonderen Wert auf die handwerklich-technische Ausbildung ihrer Schüler. So wurden ihr in den 1920er Jahren als erster Bielefelder Schule großzügige und zeitgemäße Werkräume zur Verfügung gestellt. Zudem wurde in den 1920er Jahren das Bosse-Schullandheim "Armin" erbaut und eröffnet (siehe unten).

 

Im Zweiten Weltkrieg wurden Klassenräume für die Dienststelle des Sicherheits- und Hilfsdienstes der deutschen Luftschutzpolizei zweckentfremdet, 1943 verließen die noch verbliebenen Lehrer mit ihren Schülern im Rahmen der Kinderlandverschickung die Stadt, um sich vor den Bombardierungen in Sicherheit zu bringen. Die Schüler der oberen Jahrgänge mussten hingegen in den letzten beiden Kriegsjahren als Flakhelfer aktiv am Krieg teilnehmen, viele von ihnen gerieten in Kriegsgefangenschaft. Am 30.09.1944 wurde die Bosse Schule durch einen Luftangriff stark zerstört, der Wiederaufbau begann erst 1952.

Wiederaufbau

Der Wiederaufbau der Bosse Schule begann erst acht Jahre nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dauerte bis 1954. In diesem Jahr wurde auch die höchste Schülerzahl im 100-jährigen Bestehen erreicht. Für 927 Schüler in 25 Klassen war das Gebäude nicht ausgelegt. Vorerst mussten sich Lehrer und Schüler mit Schichtunterricht behelfen, der bereits in den Kriegen erprobt worden war. Aus dieser Not geboren wurden 1962 für sechs Klassen drei Pavillons im Schulzentrum an der Stapenhorststraße errichtet. So konnten wieder alle Schüler in der regulären Schulzeit unterrichtet werden.

Bosse-Schullandheim

Im Juni 1928 wurde das Bosse-Schullandheim „Armin“ in der Senne feierlich seiner Bestimmung übergeben. Hier sollten die Stadtkinder einige Wochen im Jahr verbringen und die Natur genießen. Die Schüler der oberen Jahrgänge hatten tatkräftig bei der Erbauung mitgewirkt, auch später blieb es üblich, dass Schüler und Lehrer gemeinsam Reparaturen und kleinere Umbaumaßnahmen verrichteten.

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Heim von Soldaten belegt und von der NS Wohlfahrt genutzt, aber auch Bosseschüler fanden im Rahmen der Kinderlandverschickung dort Unterkunft. In den Nachkriegsjahren diente es schließlich als Kinderheim, bis es dann 1949 wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden konnte.

 

Im Juli 1958 wurde ein moderner Neubau des Schullandheims eingeweiht, durch ihn konnte der Speisesaal vom Unterrichtsraum getrennt und die Bettenzahl in den Schlafräumen verringert werden.

 

Anfang der 1980er Jahre wurde auf Grund von finanziellen Belastungen beschlossen, das Schullandheim in der Senne zu verkaufen. Mit dem Erlös schloss sich die Bosse Schule dem Inselverein der Gutenbergschule auf Wangerooge an. Von da an verbrachten die Schüler und Lehrer jedes Jahr mehrere Wochen auf der Nordseeinsel. Bis heute unternehmen unsere sechsten Klassen gerne Klassenfahrten in das Schullandheim.

Fortschritte

Mit dem Schuljahr 1974/1975 veränderte sich die Zusammensetzung der Bosse Schule drastisch. 62 Jahre lang war sie eine reine Jungenschule gewesen, nun wurde sie von den Mädchen „erobert“. Gemeinsam mit den Mädchen hielt eine weitere Innovation Einzug. Die Pavillons aus den 1960er Jahren wurden endlich nicht mehr benötigt, ein Neubau mit modernen Fachräumen für die Naturwissenschaften öffnete seine Türen.

Erfolgreicher Widerstand und 100. Geburtstag

Der Schulentwicklungsplan der Stadt Bielefeld aus den 1980er Jahren sah vor, die Bosse Schule zum Ende des Jahrzehnts zu schließen. Schüler, Eltern und Lehrer lehnten sich dagegen auf und kämpften erfolgreich für den Erhalt der Schule. Die Eltern gründeten eine Initiative und sammelten Unterschriften. Während der mehrere Jahre andauernden Unsicherheit (1986-1988) führten Eltern, Schüler und Lehrer die Qualität der Bosse Schule als Argument an, so zum Beispiel die individuelle Betreuung der Schüler, die naturwissenschaftlichen Räume und das sehr breit gefächerte außerunterrichtliche Angebot. Auch das Schullandheim auf Wangerooge und der gute Ruf in Wirtschaft und Verwaltung, den die Bosse Schule sich erworben hat, unterstrichen die Bedeutung der knapp 75-jährigen Traditionsschule. Aufgrund wieder steigender Schülerzahlen konnte die Schließung verhindert werden.

 

Im Jahre 2017, fünf Jahre nach dem traditionsreichen 100. Geburtstag, wollten lokale Bildungspolitiker die Bosse Schule erneut schließen. Wieder gingen die Bosse-Eltern auf die Barrikaden und kämpften lange, leidenschaftlich und letztlich erfolgreich für den weiteren Erhalt unserer Schule.